Barstadt Zurich
Zürich zählt heute mit rund 180 Bars und Clubs zu den spannendsten Nightlife-Städten Europas – kompakt, vielfältig und voller nächtlicher Kultur. Doch der Weg zur «little big party city» war lang.
Eine Stadt des Nachtlebens war Zürich allerdings schon viel früher: Zwar patrouillierten im 19. Jahrhundert Nachtwächter durch die dunklen Gassen, dennoch zogen Jugendliche bereits damals lautstark durchs Niederdorf und das längst verschwundene Kratzquartier beim Fraumünster.
1888 verstärkte sich die nächtliche Lebenslust nochmals deutlich: Die Sperrstunde wurde aufgehoben, und dank elektrischem Licht erstrahlten die Gassen erstmals auch nachts. Mit wachsender Freizeit, liberaleren Rahmenbedingungen und einer lebendigen Barkultur entwickelte sich Zürich endgültig zur modernen Ausgehstadt. Besonders das Niederdorf wurde zum Hotspot des Vergnügens: Bierhallen, Cabarets, Cafés und Kinos prägten das Nachtleben einer Stadt, die schon damals zwischen Moral, Freiheit und Feierlust balancierte.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden die Regeln jedoch wieder strenger. In den spassbefreiten 1950er-Jahren führte man die sogenannte Bedürfnisklausel ein: Neue Gastrobetriebe mussten fortan nachweisen, dass überhaupt ein «Bedürfnis» für sie bestand.
Tempi passati: Erst in den 1990er-Jahren wurde im Zuge der Zürcher Wirteaffäre die einer Grossstadt unwürdige Polizeistunde liberalisiert. Damit begann die Ära des Zürcher Nachtlebens, wie wir sie heute kennen.